| Bevor in der Region um Berlin 2003 das digitale Antennenfernsehen, kurz DVB-T genannt, eingeführt wurde, strahlten in Deutschland 104 Sender das ZDF-Programm in analoger Form aus. Zusätzlich sorgten noch 2.911 Füllsender dafür, dass die Mainzelmännchen bundesweit, also flächendeckend zu sehen waren. Ab 2003 ging ihre Zahl jedoch rapide zurück. So waren zum Beispiel 2007 nur noch 21 Haupt- und 687 Füllsender übrig geblieben. An ihre Stelle hatten 113 neue Digitalsender ihren Betrieb aufgenommen. Ein Jahr später, also Ende 2008, war nach 47 Jahren das analoge Zeitalter beendet. Ab jetzt versorgten 138 DVB-T-Sender die Bundesrepublik mit dem ZDF-Programm. Das sind zwar zahlenmäßig mehr Haupt- bzw. Grundsender als vorher, dafür ist die Zahl der Füllsender praktisch auf Null gesunken. So weist das aktuelle ZDF-Jahrbuch nur noch fünf Stück auf.
Die Umstellung von analoger auf digitale Übertragung bietet mehrere Vorteile. So übertragen die 138 digitalen Sender nicht nur das Hauptprogramm des ZDFs, sondern eine ganze Programmfamilie und zwar KiKa/Doku bzw. jetzt Neo, ZDF-Info und 3sat. Mit anderen Worten, die digitale Verbreitung funktioniert sehr frequenzsparend. Benötigte im analogen Zeitalter ein einziges Programm noch einen kompletten TV-Kanal, passen beim digitalen Antennenfernsehen mehrere in einen solchen 8 MHz umfassenden Übertragungsbereich. Die Zahl der in einem sogenannten "Multiplex" zusammengefassten Programme hängt von der gewünschten Qualität ab. In der Regel sind es vier. Es können, wenn man Abstriche hinnimmt, auch sechs sein.
Ein weiterer frequenzökonomischer Pluspunkt ergibt sich durch die Möglichkeit, benachbarten Sendern einen gemeinsamen Kanal zuzuweisen. Auch das war im analogen Zeitalter nicht möglich, sondern führte zu starken gegenseitigen Störungen. Bei DVB-T ist das eben anders. Hier ergänzen sich die aus verschiedenen Richtungen auf die Antenne einfallenden Signale. So arbeiten zum Beispiel die drei benachbarten Sender "Frankfurt-Fernmeldeturm", "Großer Feldberg" und "Hohe Wurzel" im Taunus gemeinsam auf Kanal 22 und versorgen das gesamte Rhein-Main-Gebiet zwischen Mainz, Wiesbaden, Mannheim, Frankfurt, Aschaffenburg und Darmstadt mit den zuvor genannten vier ZDF-Programmen.
Es gibt aber noch zwei andere positive Aspekte: Die Vermeidung von Füllsendern und die erhebliche Energieeinsparung. So macht der Ergänzungseffekt die vielen Füllsender zur Versorgung von funkmäßig abgeschirmten Gebieten überflüssig. Selbst in verschlungenen Tälern, ohne jegliche Direkteinstrahlung, sorgen die an Bergen und Hängen reflektierten Signale für einwandfreien TV-Empfang. Ein anderer Effekt ist die Energieeinsparung. Das heißt, die Sender kommen mit bedeutend weniger Strahlungsleitung (ERP = Effective Radiated Power) aus. Lag in der analogen Ära die ERP der meisten Sender zwischen 150 und 300 Kilowatt, sind es bei den DVB-T-Sendern im Schnitt nur noch 50 Kilowatt. Benötigten beispielsweise die Analogsender "Pfaffenhofen", "Freiburg im Breisgau" und "Aachen" noch 500 Kilowatt um das ZDF-Programm auf die Bildschirme zu bringen, kommen die neuen Digital-Transmitter mit 50 Kilowatt und im Fall "Aachen-Stollberg" bzw. "Aachen-Stadt" sogar nur mit 20 bzw. 5 Kilowatt aus. Wenn man sich Schleswig-Holstein als Bundesland betrachtet, wurden im analogen Zeitalter für die Verbreitung des ZDF-Programms rund 300 Kilowatt Strahlungsleistung benötigt, jetzt sind es nur noch etwa 160 Kilowatt. In Rheinland-Pfalz ist die Ersparnis noch gravierender. Wurden hier bis zur Umstellung noch 1.600 Kilowatt in den Äther geschickt, so sind es jetzt nur noch um die 160 Kilowatt. Mit anderen Worten: Der Energiebedarf hat sich mehr als halbiert und trotzdem ist für einen Großteil der Bevölkerung ein störungsfreier Inhaus-Empfang gegeben.
Die im ZDF-Jahrbuch aufgeführten Sender arbeiten überwiegend mit Rundstrahl-Charakteristik. Das heißt: Die Strahlungsenergie wird zwar in horizontaler Richtung gebündelt, jedoch nach allen Seiten gleichmäßig verteilt. Zu analogen Zeiten war die Zahl der Sender, die bestimmte Richtungen bevorzugte, größer. Auf diese Weise konnten Störungen benachbarter Sender, die die gleiche Frequenz benutzten, vermieden bzw. die Versorgung bestimmter Regionen oder Stadtbereiche verbessert werden. Ein anderes Kriterium ist die Polarisation der vom Sender ausgehenden elektrischen Funkwellen. Sie können horizontal oder vertikal zum Horizont verlaufen. Eine vertikale Polarisierung wird insbesondere bei der Versorgung von Städten gewählt, damit Häuserschluchten besser ausgeleuchtet werden. So wird beispielsweise Frankfurt am Main, Düsseldorf, München oder Saarbrücken vertikal bestrahlt. Eine horizontale Polarisation eignet mehr für ländliche Gebiete, wo große Flächen zu versorgen sind. Zu Beispiel der Raum um Aschaffenburg, Cottbus, Schwerin oder Bielefeld.
In der analogen Epoche wurde überwiegend horizontal polarisiert. Inzwischen werden die regionalen Verhältnisse und der Wunsch nach mobilem Empfang mit senkrechtem Antennenstab mehr berücksichtigt. Das heißt: Etwa die Hälfte aller DVB-T-Sender strahlen ihre Programme vertikal ab. Wie auch immer: Damit zwischen Sende- und Empfangsantenne ein optimaler Leistungstranfer stattfinden kann, sollten beide Antennen die gleiche Ausrichtung aufweisen. Rein theoretisch dürfte kein Empfang möglich sein, wenn diese Bedingung nicht erfüllt wird. Glücklicherweise ist das in der Praxis nicht der Fall, da Reflexionen, Beugungen etc. die Schwingungsebenen mehr oder weniger "verdrehen". Dennoch sollte man seine Empfangsantenne nach der örtlichen Gegebenheit ausrichten. Vor allem dann, wenn der Empfangsort im äußeren Versorgungsbereich eines Senders liegt. Wie gesagt: Das Drehen der Antenne auf die vom Sender verwendete Polarisationsrichtung kann die Empfangswahrscheinlichkeit verbessern.
Zu guter Letzt noch etwas zu den Eigentumsverhältnissen. Das ZDF verwendete von Anfang an gemietete Sender, die der Netzbetreiber "Media Broadcast" (früher Deutsche Telekom, dann T-Systems) zur Verfügung stellt. Bei der ARD ist das anders gewesen. Hier haben sich die einzelnen Landesrundfunkanstalten ihre eigenen Sender aufgebaut. Eine Ausnahme machen die ARD-Anstalten in den neuen Bundesländern. Sie verwenden ebenfalls ein gemietetes Sendernetz. Jedoch hat es seit der Einführung des digitalen Antennenfernsehens erfreulicherweise einen Strategiewandel ergeben. Gute, weitreichende Standorte sind rar und ihr Betrieb kostenintensiv. Kein Wunder also, dass inzwischen viele Türme und Sendemasten gemeinsam von ZDF, ARD und sogar den privaten TV-Anbietern genutzt werden. Zwar wird sich die Zahl der Sender, um die Versorgung zu optimieren, noch geringfügig ändern. Auch sind im Zuge der europaweiten Digitalisierung der Terrestrik gewisse Frequenzwechsel erforderlich, aber im Großen und Ganzen gilt die Umstellung als abgeschlossen.
Hervorzuheben ist noch, dass die analoge Abschaltung problemlos erfolgt ist und die anfangs befürchteten Widerstände der Bevölkerung ausgeblieben sind. Im Gegenteil: Die Akzeptanz von DVB-T entwickelt sich positiv. So haben sich Hamburg und Schleswig-Holstein zu Spitzenreitern entwickelt. In beiden Bundesländern nutzen inzwischen mehr als 18 Prozent der Fernsehhaushalte das digitale Antennenfernsehen. Bundesweit sind es, wie die Grafik zeigt, im Mittel 11,3 Prozent oder 4,2 Millionen TV-Haushalte. Das sind 300.000 mehr als im Vorjahr.
Jürgen Schlomski
(Die technischen Parameter aller DVB-T-Sender, auch die von ARD und Privaten, sind als PDF-Datei auf der Internetseite http://www.ueberallfernsehen.de/data/senderliste.pdf zu finden.)
Zur Grafik: Sie zeigt die Programmbelegung, die in den einzelnen Regionen variiert. Außerdem ist hier der Digitalisierungsgrad der einzelnen Bundesländer aufgelistet.
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