Hans-Joachim Kamp - Foto: gfu

Im Rahmen der gfu Insights & Trends am 10. Juli in Berlin hat der gfu-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Kamp die Ergebnisse der diesjährigen gfu-Studie vorgestellt. CE-Markt Online hatte bereits hier über den ersten Teil der gfu-Studie berichtet. Im zweiten Teil geht es nun um Smart TV und welche Inhalte von den Verbrauchern bevorzugt genutzt werden.

Smart TVs haben sich am Markt etabliert

Wie die gfu Studie aufzeigt, besitzen mittlerweile 51 Prozent der Haushalte in Deutschland einen Smart TV mit Internet-Funktion. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 42 und 2018 noch 46 Prozent. Auch die Nutzung der smarten Funktionen entwickelt sich positiv. Nach 56 Prozent in 2017 und 61 Prozent in 2018, gaben in der diesjährigen Studie nun 67 Prozent an, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Dabei liegt der Wert bei den 16- bis 39-Jährigen mit 80 Prozent deutlich über dem Wert für die Generation 60+ mit 56 Prozent. Als Hauptgrund, warum smarte Funktionen nicht über das TV-Gerät genutzt werden, gaben 53 Prozent ihr Desinteresse an. 17 Prozent befürchten, dass die Datenübertragung nicht sicher ist und für 15 Prozent ist die Bedienung zu kompliziert.

Welche Streaming-Inhalte liegen vorn?

Immer mehr der in der gfu-Studie Befragten nutzen Streaming-Dienste und Mediatheken.

  • Video on Demand (VoD) wird von 72 Prozent aufgerufen
  • Mediatheken nutzen 56 Prozent

Interessant dabei: Frauen nutzen VoD mit 77 Prozent mehr als Männer (68 Prozent). Die Generation der 16- bis 39-Jährigen nutzt mit 84 Prozent VoD deutlich stärker als die Altersgruppe der Über-60-Jährigen mit 42 Prozent. Für die Nutzung der Mediatheken zeigt sich ein entgegengesetztes Bild: 50 Prozent bei den 16- bis 39-Jährigen und 69 Prozent bei den Über-60-Jährigen.

Welche Geräte werden genutzt?

In der gfu-Studie wurde auch nach den bevorzugten Geräten für die Wiedergabe von Bewegtbild-Inhalten gefragt. Dabei zeigte sich folgendes Ergebnis:

  • Geht es um die Wiedergabe von VoD (84 Prozent) und die Mediatheken der TV-Sender (82 Prozent) dominiert eindeutig der Fernseher.
  • Für Videoportale wie YouTube liegt dagegen das Smartphone vorn (36 Prozent). Für die Wiedergabe von VoD und den Mediatheken wird das Smartphone nur zu jeweils vier Prozent genutzt.

Vor allem bei längerer Verweildauer ist also nach wie vor der Fernseher die unangefochtene Nummer eins für die Wiedergabe von Bewegtbild-Content.

Welche Dienste sind beliebt und was wird dafür bezahlt?

Amazons Prime Video kommt in der gfu-Studie mit 72 Prozent auf Platz eins, Netflix mit 63 Prozent auf Platz zwei, Google Play mit 25 Prozent auf Platz drei und Sky mit 23 Prozent auf Platz vier. Dabei steigt die Ausgabe-Bereitschaft für Streaming-Dienste: 47 Prozent der Nutzer von Streaming-Diensten greifen auf eine Programmquelle zu, 43 Prozent nutzen zwei und 10 Prozent sogar drei oder mehr. Mehr als zehn Euro pro Monat geben 53 Prozent der Nutzer für Streaming-Dienste aus, 2018 waren es mit 43 Prozent noch deutlich weniger.

Das Abrufen ganzer Serien-Staffeln und die größere Programmauswahl werden von den Streaming-Abonnenten am meisten genutzt. Serien-Staffeln werden von Frauen und den 16- bis 39-Jährigen noch stärker genutzt.

Wie sind die Meinungen zu Künstlicher Intelligenz?

KI stand im Mittelpunkt der Vortragsveranstaltung gfu Insights & Trends und wurde auch in der gfu-Studie abgefragt.

Nach ihrer generellen Einstellung zu KI gefragt, ergibt sich folgendes Ergebnis: Im Bereich Verkehr gaben 80 Prozent an, KI bereits zur Verkehrsleitung zu nutzen, oder planen eine Nutzung. 44 Prozent beträgt der entsprechende Prozentsatz für autonomes Fahren.

Nutzen für die Consumer-Electronics-Branchen

Für die zur IFA relevanten Bereiche ergibt sich folgendes Resultat: 68 Prozent nutzen oder planen Sprachsteuerung bzw. Spracherkennung. 57 Prozent sind es bei der Steuerung von Hausgeräten, 53 Prozent für die Empfehlung von Medieninhalten, 59 Prozent bei der Gesichtserkennung und 63 Prozent für die Live-Übersetzung.

Den größten Nutzen von KI-Technologie sehen 55 Prozent in der Medizintechnik, jeweils 47 Prozent in der Gesichtserkennung und Verkehrslenkung sowie 45 Prozent in der industriellen Fertigung (Mehrfachnennungen waren möglich).

Polarisierung zwischen den Altersgruppen

Für bestimmte KI-Anwendungen zeigen die Studienergebnisse eine starke Polarisierung zwischen den Altersgruppen. So sehen 42 Prozent der 16- bis 39-Jährigen den größten Nutzen von KI für den Bereich Smart Home. In der Altersgruppe über 59 sind es nur 14 Prozent und über alle Altersgruppen sind es 29 Prozent. Beim autonomen Fahren sind es ebenfalls die 16- bis 39-Jährigen, die mit 35 Prozent den größten Nutzen sehen. Bei den Über-60-Jährigen sind es ebenfalls 14 Prozent und insgesamt sind es 25 Prozent.

Gefahren der Künstlichen Intelligenz

Befragt nach den Gründen für Skepsis hinsichtlich Künstlicher Intelligenz nannten 60 Prozent der Studienteilnehmer den Schutz der Privatsphäre. 59 Prozent betrachten die Technologie noch nicht ausgereift. 56 Prozent befürchten eine umfassende Kontrolle durch KI und 38 Prozent sehen keinen Mehrwert (Mehrfachnennungen waren möglich).

KI kann neue Märkte öffnen

Eine weitere Frage bezog sich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz. 62 Prozent gaben an, dass KI aufgrund neuer Anwendungen neue Märkte öffnen wird. 60 Prozent sehen KI als wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit an. Dass KI den Arbeitsalltag erleichtern wird, glauben 58 Prozent. Differenziert ist die Betrachtung hinsichtlich der Arbeitsplätze: So denken zwar 24 Prozent, dass KI neue Arbeitsplätze schafft, aber 64 Prozent befürchten den Abbau von Arbeitsplätzen (Mehrfachnennungen waren möglich).

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