Mutmacher: Krisenstrategie für Handwerksbetriebe

Krug Fernsehen Computer Corner Josef Veith
Foto: Josef Veith

„Ich sehe für mich und für den Einzelhandel viele düstere Wolken mit Vollgas auf uns zukommen“, berichtet der Münchner Telering-Händler Josef Veith von Krug Fernsehen. „Trotzdem bringt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken oder gar einfach den Laden zuzusperren und nachhause zu gehen. Wenn ich das machen würde, wäre ich in vier oder sechs Wochen wirtschaftlich und finanziell in einer schweren Krise. Ich bin aber andererseits auch nicht bereit, mit finanziellen Kraftaktionen aus dem Privatbereich heraus riskante Rettungsaktionen durchzuführen, für die es keine gesicherte Entschädigung des Staates oder Bundes gibt. Aber ich werde auch nicht zusehen, wie mein Geschäft zugrunde geht.“

Josef Veith hat deshalb ein Strategiekonzept entwickelt:

Mein Ladengeschäft ist als dienstleistender Handwerksbetrieb beschildert. Wir arbeiten sowohl in der Werkstatt als auch im Reparatur-Außendienst unter eigenen Auflagen von Maßnahmen wie Schutzmasken und Gummihandschuhen weitgehend normal weiter. Der Bedarf an Serviceleistungen hat sich nicht verändert. Im Gegenteil: Dadurch dass viel mehr Leute zuhause sind, ist die Quote von Fehlbedienungen an Geräten oder Einstellungsproblemen höher als normal. Als Handwerksbetrieb im Radio- und Fernsehbereich haben wir für die Funktion von Radio- und Fernsehgeräten eine hohe Verantwortung. Deshalb leiste ich meine Beiträge zum Erhalt der Funktionsfähigkeit von Informationsmedien, ohne die unsere Kunden die Informationen über Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise nicht erfahren würden. Dass dabei bei Bedarf die Lieferung eines Neugeräts notwendig wird, wenn der alte TV oder Radio nicht mehr repariert werden kann, betrachte ich als Dienstleistung „im erweiterten Raum“.

Kundenbesuche in Schutzkleidung

Josef Veith mit Schutzmaske
Foto: Josef Veith

Im Geschäft haben die Kunden Zutritt bis vor die Theke, um Serviceaufträge zu erteilen oder reparierte Geräte abzuholen. Es gibt keine üblichen Beratungsgespräche. Es ist immer nur ein Kunde an der Theke, die anderen werden gebeten vor der Türe zu warten  Es kommt aber durch die extrem geringe Kundenfrequenz zu keinerlei Konflikten. Ich und meine Mitarbeiter tragen Schutzmasken, die mehrmals täglich erneuert werden und beim Kunden zusätzlich Einmal-Handschuhe. Nur so kann ich das Engagement meiner Mitarbeiter mit einem höchstmöglichen Schutz vor Ansteckung mitverantworten. Ich selbst fahre zu den sehr seltenen Kundenbesuchen mit dem Fahrrad und in Schutzkleidung.

Vorteil für Handwerksbetrieb

Die Situation wird sich möglicherweise zuspitzen. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir mit Besonnenheit und größtmöglicher Vorsicht diese Krise bis Mitte oder Ende Mai meistern werden. Dann kann ich versuchen, die entsprechenden Anträge bei Banken und Behörden zu stellen, um Entschädigungen oder Förderungen zu erhalten, über die Telering und meine Steuerberaterin sowie das Wirtschaftsministerium vorbildlich informieren. Als Kleinunternehmen fällt diese Förderung jedoch aus heutiger Sicht eher bescheiden aus. Ich verlasse mich also nicht darauf, sondern ausschließlich auf mein Geschick als Kaufmann, die Ertragskette im Kundendienst nicht abreißen zu lassen. Letztlich ist das als kleiner Handwerksbetrieb ein wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber den Märkte und Einkaufszentren, die schließen müssen.

Chefberatung

„Die Krise begann eigentlich schon Mitte Januar“, ergänzt Josef Veith. „Da hatte ich bereits 5o Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Im Februar waren es noch einmal 40 Prozent. Im März werde ich, wenn es so weiter geht, mit einem blauen Auge davon kommen. Bereits Mitte Februar habe ich 4.700 Postkarten an unsere Kunden verschickt. Themen: Digitalradios mit einem Wertgutschein von 10 Euro kaufen. Und auf der Vorderseite: Chefberatung – ich komme zu Ihnen nach Hause und berate Sie über die bestmöglichen Lösungen für die neuen UHD-Fernseher, Blu-ray-Player und Digitalradios. Jetzt in der Krise ernte ich die Früchte, die ich rechtzeitig gestreut hatte. Ich bin sicher, die Rechnung geht auf und ich und mein Team werden mit einem überschaubaren Schaden aus dieser Krise heraus kommen!“

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