gfu-Studie zur Corona-Krise: Auswirkungen auf Medienkonsum und Kaufverhalten

Hans-Joachim Kamp gfu
Hans-Joachim Kamp - Foto: gfu

Die Auswirkungen auf den Markt für Consumer Electronics und Home Appliances gibt eine repräsentative Studie der gfu wieder, bei der in der ersten Aprilwoche 2020 eintausend Personen in Deutschland online befragt wurden. Die durch die Corona-Pandemie hervorgerufenen wirtschaftlichen Veränderungen verunsichern die Konsumenten und führen wegen der geschlossenen Geschäfte auch zur Verschiebung der Kaufabsichten – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung in den einzelnen Marktsegmenten.

Home-Office-Produkte profitieren

Es gab deutlich mehr vorgezogene oder nicht geplante Käufe von IT-Produkten wie Notebooks, Tablets und PC-Monitore – sicherlich aufgrund der Schulschließungen und dem höheren Anteil an Home-Office-Nutzung. Laut gfu arbeiten 21 Prozent der Berufstätigen unter den Befragten derzeit ausschließlich vom Home Office aus, knapp 18 Prozent wechseln zwischen Home Office und Büro. Auch das Kaufverhalten für Produkte mit Freizeitnutzen hat sich verändert: So sind die vorgezogenen Käufe von E-Readern um 40 Prozent höher als die verschobenen Käufe, bei Spielkonsolen sind es 14 Prozent.

Bei den Smartphones ist die Entwicklung dagegen negativ, da die verschobenen Käufe mehr als dreimal so hoch sind wie die vorgezogenen Käufe. „Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass viele Käufe mit einem Vertrag eines Netzbetreibers gekoppelt sind“, vermutet die gfu. Der Abschluss solcher Verträge ist aktuell nur online möglich.

Keine extremen Zuwächse bei Online-Käufen

Geschlossene Geschäfte müssten eigentlich dafür sorgen, dass viel Konsum in Online-Plattformen abwandert. 17 Prozent der Befragten geben auch an, dass sie aktuell mehr Dinge des nicht alltäglichen Bedarfs online kaufen. Dem gegenüber stehen sechs Prozent, die aktuell eher weniger online kaufen. Für mehr als drei Viertel (77 Prozent) hat sich das Online-Kaufverhalten aber nicht verändert.

Was sich indes verändert hat, ist die Recherche über Produkteigenschaften und Preise im Internet. 57 Prozent der Käufer von Kühl-/Gefrierkombinationen, 56 Prozent der Käufer von E-Readern und 39 Prozent der TV-Käufer geben an, dass sie im Zusammenhang mit ihrer Kaufabsicht verstärkte Recherche im Internet betrieben haben. Das ist naheliegend, denn die Beratung im Fachhandel war aufgrund geschlossener Geschäfte nur sehr eingeschränkt möglich.

Internet und Telefon gewinnen an Bedeutung

Nach Veränderungen in ihrem Freizeitverhalten befragt, gaben rund 54 Prozent an, dass sie nun häufiger im Internet unterwegs sind, 45 Prozent telefonieren häufiger, 42 Prozent sehen mehr lineares Fernsehen, 36 Prozent nutzen häufiger Streaming-Plattformen und Mediatheken. Außerdem wird die Zeit häufiger auch für Kochen und Backen (37 Prozent) genutzt, sowie für Aufräumen (37 Prozent), Putzen (29 Prozent) und Renovieren (23 Prozent). Mehr Zeit für das Lesen von Büchern und Zeitschriften haben 30 Prozent, für Aktivitäten mit der Familie 28 Prozent.

Vielfältige Nutzung der TV-Geräte

67 bzw. 68 Prozent geben in der gfu-Studie an, dass sie häufiger TV und Internet häufiger als sonst zur Information über aktuelle Ereignisse nutzen. Ebenfalls ist ein positiver Trend bei Radio (39 Prozent), Zeitungen und Zeitschriften (26 Prozent) und Podcasts (13 Prozent) erkennbar. Der Fernseher ist jedoch nicht nur Nachrichtenlieferant, sondern wird in Corona-Zeiten zum vielfältigen Unterhaltungsmedium. Weil Kinos geschlossen sind, haben 15 Prozent der befragten Haushalte kostenpflichtige Verträge für Filme, Dokumentationen und Serien abgeschlossen. Elf Prozent sagen, dass sie zusätzlich zu einem bereits bestehenden Streaming-Vertrag ein weiteres Abo abgeschlossen haben. Vier Prozent der Befragten geben an, dass sie jüngst erstmalig einen Vertrag mit einem Streaming-Anbieter abgeschlossen haben.

„Zuversicht für die Zeit nach der Krise“

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Hans-Joachim Kamp – Foto: gfu

Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu, bilanziert zur Studie: „In allen Segmenten des CE- und Hausgeräte-Markts kann man erkennen, dass geplante Anschaffungen verschoben werden. Auch wenn die gegenwärtige Situation für viele Befragte mit wirtschaftlichen und anderen Unsicherheiten verbunden ist, gibt es Zuversicht für die Zeit nach der Krise: Aufgrund der Attraktivität und des hohen Kundennutzens der Geräte ist nach Überwindung der Pandemie wieder mit einer deutlichen Marktbelebung zu rechnen. Der nicht extrem gestiegene Anteil der Online-Käufe belegt das Vertrauen der Konsumenten in die Beratungskompetenz des stationären Handels.“

Weitere Zahlen der gfu-Studie: Fast zwei Drittel (65 Prozent) sagen, dass die Gesellschaft krisenbedingt enger aneinandergerückt ist. Längerfristige weltwirtschaftliche Veränderungen prognostiziert fast die Hälfte (48 Prozent), wenn zukünftig wieder mehr Produktion von Fernost zurück nach Europa verlagert wird.

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