Hans-Joachim Kamp blickt zurück: „Einmalige Erfolgsgeschichte der IFA“

Hans-Joachim Kamp spricht auf der IFA-Pressekonferenz 2018
Hans-Joachim Kamp spricht auf der IFA-Pressekonferenz 2018, Foto: Messe Berlin

Nur wenige Manager haben unsere Branche so geprägt wie Hans-Joachim Kamp, der während seiner langjährigen Verbandsarbeit wichtige Initiativen vorangebracht hatte. Nach dem Abschied von seinen Ämtern blickt er im Gespräch mit CE-Markt Online auf sein Wirken zurück.

Was waren Ihre größten Erfolge in der Verbandsarbeit?
Mit einem gewissen Stolz erfüllen mich vor allem die ehrenamtlichen Tätigkeiten in deren Rahmen ich über drei Jahrzehnte maßgeblich die Verbandsarbeit beeinflussen und mitgestalten konnte: Als Vizepräsident des ZVEI, als Vorsitzender des Fachverbands Consumer Electronics im ZVEI, als Aufsichtsrat und Aufsichtsratsvorsitzender bei der gfu und als Vorsitzender bei der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (EAR). Zu den Erfolgen zähle ich die einmalige Erfolgsgeschichte der IFA, für die ich entscheidende Impulse setzen  konnte. Der Wechsel zur Jährlichkeit der IFA und die Integration von Home Appliances waren nicht unumstritten und sind heute Garanten für den IFA-Erfolg. Auch die Etablierung des CEMIX (heute HEMIX) zum anerkannten Marktüberblick für die HE-Branche durch die gfu sehe ich als eine erfolgreich umgesetzte Initiative.

Sie haben sich persönlich sehr für die Elektro-Altgeräte-Entsorgung engagiert. Wie gut sehen Sie das System heute aufgestellt? Wo sollte noch nachjustiert werden?
Das EAR-System ist heute sehr gut aufgestellt – man kann ohne Zweifel von „best in class“ in Europa reden. Entscheidend ist unter anderem, dass bei der Umsetzung der europäischen WEEE-Richtlinie in nationales Recht für Deutschland die haushaltsnahe Sammlung gesetzlich verankert wurde. Dadurch sind die Kosten für die Altgeräteentsorgung in Deutschland signifikant niedriger als im restlichen Europa. Nachjustierungen sind vor allem im Hinblick auf die Zielerreichung der seit 2019 vorgegebenen Sammelquote von 65 Prozent – in ganz Europa, aber auch in Deutschland – notwendig. Wir sind davon in mehreren Warengruppen noch weit entfernt. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssen die Verbraucher noch besser aufgeklärt werden, zum Beispiel wo sie welche Geräte zurückgeben können. Auch sollte mit der Politik nach Möglichkeiten gesucht werden, um die Eigenrücknahme für Industrie und Handel attraktiver zu machen.

1975 war Ihre erste IFA. Wie hat sich seitdem die Art eines Messebesuchs verändert? Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen der IFA damals und heute?

Hans-Joachim Kamp zur IFA 2019
Hans-Joachim Kamp zur IFA 2019, Foto: Messe Berlin

Die IFA war damals vor allem national geprägt und fast ausschließlich auf die klassische Unterhaltungselektronik ausgerichtet. Heute ist die IFA die global wichtigste Messe für Consumer und Home Electronics. Sie findet seit 2006 jährlich statt und das Segment Home Appliances@IFA ist seit mehr als zehn Jahren eine ihrer tragenden Säulen. Ein begleitendes Kongressprogramm, eine eigene Ausstellung für OEMs und ODMs und IFA Next mit mit vielen Start-ups sind weitere wichtige Eckpfeiler im heutigen IFA Konzept. Auch die Ausstellerzahl hat sich deutlich erhöht, von 246 im Jahr 1975 auf 1.939 im Jahr 2019. Drehte sich früher viel um „Stars & Sternchen“ für das Publikum, ist der Fokus – richtigerweise – mittlerweile auf die drei Zielgruppen Medien, (Fach-)Handel und die Endkunden ausgerichtet.

Weltweit bedeutendste Messe für unsere Branche

2020 ist ein harter Einschnitt, auch für die IFA. Was wünschen Sie der IFA für die Zukunft? Wie digital/hybrid wird die Messe in Zukunft?
Um die Zukunft der IFA mache ich mir keine Sorgen. Die IFA hat alle Chancen und Voraussetzungen, ihre Position als die weltweit bedeutendste Messe für unsere Branche weiter zu festigen und auszubauen. Sie findet zum perfekten Zeitpunkt – kurz vor der umsatzstärksten Zeit des Jahres – statt und sie hat als Ordermesse die richtige Konzeption für die ausstellende Industrie und den Handel. Dieses Konzept muss einerseits weiter gefestigt und anderseits um digitale Formate ergänzt werden. Die Special Edition von diesem Jahr ist dafür eine gute Vorlage – was hat gut funktioniert, was nicht? Es gilt, den optimalen Mix aus live und virtuell zu finden, denn Geschäfte werden auch weiterhin zwischen den Menschen gemacht werden.

Warum haben Sie sich damals für Philips entschieden? Was waren die Höhepunkte in Ihrem Berufsleben bei Philips?
Ich hatte gerade mit meiner Doktorarbeit begonnen, als ich einen alten Schulfreund und Studienkollegen zufällig traf, der seit ein paar Monaten bei Philips in Hamburg arbeitete und dafür jeden Tag eineinhalb Stunden von Bremen nach Hamburg pendelte. Ich dachte mir, dass dieses Unternehmen etwas Besonderes sein muss, wenn sie meinem Freund diesen Aufwand wert ist. Der Freund berichtete mir, dass in der Marktforschung von Philips aktuell eine Stelle ausgeschrieben ist. Nur prophylaktisch hatte ich mich beworben und war sehr überrascht, als ich das Stellenangebot bekam. Nie hätte ich damals geglaubt, dass daraus 45 Jahre Philips werden würden. In meiner langen Tätigkeit einen Höhenpunkt zu finden, ist schwierig, aber worauf ich durchaus stolz bin, sind folgende zwei Erfolge: unter meiner Managementverantwortung gelang es, Philips in der Unterhaltungselektronik von Marktposition 5 auf 1 zu bringen und gleichzeitig im TV-Segment den Marktanteil von fünf auf über 17 Prozent zu steigern. Besonders viel Spaß hat mir die Zusammenarbeit mit vielen jungen Talenten gemacht, die ich auf ihrem Werdegang begleiten und fördern konnte, so dass sie innerhalb des Philips Konzerns Karriere gemacht haben, bis zum Executive Board in Amsterdam, oder auch außerhalb von Philips in internationalen Konzernen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Consumer Electronics in den kommenden zehn Jahren?

Hans-Joachim Kamp
Hans-Joachim Kamp auf der Bühne, Foto: gfu

Für eine erfolgreiche Marktentwicklung ist es wie eh und je notwendig, bei den Kunden einen Bedarf zu erkennen und Bedürfnisse für die Produkte zu wecken. Das geht nur, wenn man innovativ ist – nur mit echten Innovationen können sich Erfolg und Wachstum stetig einstellen. Entscheidend ist weiter, benutzer- und servicefreundliche Geräte zu entwickeln, um alle Zielgruppen zu erreichen und die kommenden Gesetzesvorlagen zu erfüllen. Ein großes Potential sehe ich nach wie vor im Smart-Home-Markt – hier sollte im kommenden Jahrzehnt der richtige Durchbruch mit signifikanten Umsatzzuwächsen erreicht werden.

Was ist aktuell Ihr elektronisches Lieblingsprodukt?
Eine Schallzahnbürste mit App-Unterstützung und eine Multiroom-HiFi-Anlage.

Nutzen Sie Sprachsteuerung zu Hause?
Ja, aber nur bedingt – bei Produkten für deren Nutzung dies einen Komfortgewinn bedeutet.

Die schönste Handelsaktion in der Zeit des Lockdowns war …
Hier möchte ich gern auf die gfu Insights & Trends Veranstaltung von September verweisen: Dirk Wittmer, Inhaber von Euronics XXL Johann + Wittmer und Aufsichtsratsvorsitzender der Euronics eG, hat eindrucksvoll gezeigt, wie auch in Zeiten des Lockdowns sowohl neue Kunden gewonnen, als auch bestehende wirkungsvoll angesprochen und zurückgewonnen werden konnten. Die von ihm vorgestellten kreativen Marketing- und Werbekampagnen über Social Media, wie WhatsApp-Gruppen, Instagram etc., sind beispielhaft. Entscheidend ist, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch in der Zeit nach dem Lockdown weiter Anwendung finden und so einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

Kochen Sie gerne selber?
Ja, besonders mit und für meine Familie oder Freunde.

Home, smart Home: Wie sehr freuen Sie sich über mehr Zeit zuhause? Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich habe weiter diverse Mandate im Private Equity-Bereich und bin ebenso im Personal-Coaching aktiv. Ansonsten genieße ich das „Mehr“ an Zeit für meine Familie und versuche auch noch, mein Golf-Handicap zu verbessern.

Ihr Lebensmotto?
Es jeden Tag besser zu machen als am Tag zuvor. Und: Bleibe immer positiv und dankbar, denn wir leben in Europa und speziell in Deutschland in einer vergleichsweise sehr heilen Welt.

Ihr Lieblingsbuch und Lieblingsfilm?
Buch: Die Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch. Film: Ziemlich beste Freunde.

Ihr bevorzugtes Getränk und Essen?
Ein guter Weißwein zu raffiniert zubereitetem Fisch.

Ihr Golf-Handicap?
15,1

Und Ihr Lieblingsort in Hamburg?
Hamburg hat so viele schöne Plätze, da möchte ich mich nicht auf einen festlegen.

Vielen Dank, Herr Kamp. Für die Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute!

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