Handelsverband kritisiert Corona-Politik

HDE Hauptgeschäftsführer Stefan Genth
Stefan Genth, Foto: HDE

Mit scharfer Kritik reagiert der Handelsverband Deutschland (HDE) auf den erneut verlängerten Lockdown für den Einzelhandel. Wie das Ergebnis des gestrigen Bund-Länder-Gipfel zeigt, konzentriere sich die Corona-Politik ausschließlich auf die Inzidenzen und honoriere nicht ausreichend, dass die Ansteckungsgefahren im Einzelhandel auch von Experten als niedrig beurteilt werden.

„Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht. Die Maßnahmen müssen sich an den wissenschaftlichen Fakten orientieren und die zeigen, dass die Infektionsgefahr beim Einkaufen niedrig ist“, erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Es sei daher höchste Zeit, alle Geschäfte unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte wieder zu öffnen.

100 Tage Lockdown

Der nun schon beinahe seit 100 Tagen andauernde Lockdown hinterlässt derweil tiefe Spuren im Nicht-Lebensmittelhandel. Vor allem Händler der Textilbranche seien in Insolvenzgefahr. „Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können. Deshalb muss die Politik endlich eine realistische Perspektive geben“, so Genth.

Eine HDE-Umfrage zeigt, dass die Umsatzverluste in der vergangenen Woche im Vergleich zu 2019 weiterhin enorm sind. So machten die geschlossenen Geschäfte in den Innenstädten 63 Prozent weniger Umsatz als vor zwei Jahren. Die Läden, bei denen Einkauf mit Terminvereinbarung möglich war, verzeichneten ein Minus von knapp einem Drittel. Mit knapp einem Fünftel im Minus landeten die Geschäfte, die mit Begrenzung der Kundenzahl geöffnet hatten.

Ausbau der Corona-Hilfen

„Die Politik muss zurückfinden zu angemessenen und ausgewogenen Maßnahmen unter Berücksichtigung der tatsächlichen Infektionsrisiken“, so Genth weiter. Dazu müsse auch der angekündigte Ausbau der Corona-Hilfen gehören. Wichtig sei, dass die zusätzlichen Hilfen für die weiter geschlossenen Einzelhandelsunternehmen nun beschlossen wurde und jetzt zügig umgesetzt werde. Die derzeitige  Überbrückungshilfe finde nach wie vor zu selten und zu langsam den Weg zu den notleidenden Unternehmen.

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