Rüdiger Nickel ist tot

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Rüdiger Nickel
Rüdiger Nickel – Foto: privat

Er gehörte zu den leisen, aber wirkungsmächtigen Machern in unserer Branche. Zurückgenommen, uneitel und bescheiden, so wirkte er auf alle, die ihn kannten. Doch wenn es um die Sache ging, zeigte er sich durchsetzungsstark, überzeugend und von unbeirrbarer Entschlossenheit.

Mit 24 Jahren begann Rüdiger Nickel seine berufliche Karriere. Es war 1963, als er bei Blaupunkt in die neugeschaffene Stabsabteilung Marktforschung und Entwicklungsplanung eintrat. Sein Job war es, herauszufinden, welche Geräte am Markt künftig Chancen hatten. Er war so erfolgreich, dass ihn Blaupunkt wenig später zum Produktmanager Autoradio ernannte. Mitte der 1970er Jahre, als die Japaner tüchtige Manager für ihre deutschen Niederlassungen suchten, wechselte Nickel zu Akai. Zunächst als Marketing-Chef, dann als Geschäftsführer. Die Herausforderung, den Handel ausreichend mit Akai-Videorecordern aus Japan zu versorgen, meisterte er mit Bravour. Obwohl damals der Wettkampf um die Videosysteme VCR, VHS und Betamax das Geschäft erheblich bremste.

Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erlebte Nickel, als Siemens die Unterhaltungselektronik in die BSH einbrachte, wo das Segment ein wichtiges Standbein wurde. Als frisch gebackener Siemens Leiter Produktmarketing Rundfunk/Fernsehen war Rüdiger Nickel richtig stolz, als er auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 1987 seinem Chef Dr. Herbert Wörner auf dem Siemens-Stand die 35 Neuheiten des Produktbereichs zeigen durfte. Zum 1. Januar 1988 übernahm Nickel dann die Leitung von Siemens Consumer Electronics. Es ist sein Verdienst, dass Siemens Anfang der 1990er einen sehr hohen Marktanteil bei Weltempfängern, Radioweckern und Fernsehgeräten erzielen konnte. So enthielt die Hitliste der 15 meistverkauften Unterhaltungsgeräte allein vier Radios von Siemens. Im Bereich der Fernseher war das 100-Hz-Gerät FS 998 in der Klasse der 87-cm-Geräte ein großer Erfolg. Dennoch zog sich die BSH zum Jahreswechsel 1996/1997 wegen rückläufiger Umsätze und steigender Verluste aus diesem Produktfeld zurück.

Nickel blieb Siemens treu und wechselte zur BSH-Tochterfirma Profilo in die Nähe von Istanbul, wo er als Geschäftsführer fünf Jahre lang tätig war. Neben seiner Industriekarriere war Rüdiger Nickel in den 1990er Jahren Vorsitzender des Messeausschusses der Internationalen Funkausstellung Berlin und hatte auch im ZVEI wichtige Funktionen inne. Bis zum Schluss gehörte seine ganze Aufmerksamkeit der Senioren-Arbeit in seiner Heimatstadt. Hier war er im Vorstand tätig und Motor für zahllose Aktivitäten.

Rüdiger Nickel starb am 21. September im Alter von 79 Jahren in Langenargen am Bodensee. CE-Markt trauert um einen sympathischen, fairen Geschäftspartner aus den Pioniertagen unserer Branche. Den Hinterbliebenen gilt unser ganzes Mitgefühl und tief empfundenes Beileid. (kn)

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