Fujifilm: „Die klassische Kamera ist durch Smartphones nicht zu ersetzen!“

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Der begehrte Tipa Award wird jährlich an die besten Produkte der Foto- und Bildbearbeitungsindustrie vergeben - Foto: Fujifilm

(kn) Die Technical Image Press Association (Tipa) hat Anfang April die spiegellose Mittelformatkamera Fujifilm GFX 50R und die spiegellose Systemkamera X-T30 mit dem renommierten Tipa Award ausgezeichnet. Über neue Kameras und die Kooperation mit dem Fachhandel sprach CE-Markt mit Christopher Brawley, Managing Director, Fujifilm Electronic Imaging Europe GmbH.

Christopher Brawley – Foto: Altengarten Photography

>> Herr Brawley, die neue spiegellose Systemkamera Fujifilm X-T30 ist seit 20. März verfügbar. Wodurch zeichnet sich diese Kamera besonders aus?
Unsere neue Fujifilm X-T30 kombiniert professionelle Leistung mit einem kompakten Gehäuse und dem beliebten Fujifilm Bedienkonzept. Die Formsprache orientiert sich an der Gestaltung der beliebten X-T Serie von Fujifilm und bietet dem Anwender, ob Profi, semiprofessionellem Fotografen oder ambitioniertem Einsteiger, eine extrem leistungsfähige Kamera, die durch eine be-stechende Bildqualität auf dem Niveau des Flaggschiff-Modells Fujifilm X-T3 überzeugt.

Mit ihren 383 Gramm setzt die spiegellose Systemkamera neue Maßstäbe in ihrer Klasse: Neben dem hochauflösenden 26,1 Megapixel Sensor und dem X-Prozessor der vierten Generation bietet sie ambitionierten Fotografen eine Vielzahl innovativer Foto- und Video-Funktionen. Das neue Autofokus-System gewährleistet eine schnelle und präzise Scharfstellung, insbesondere bei der Verfolgung von dynamischen Objekten. Dabei kann die Kamera auf 2,16 Millionen Phasendetektionspixel zurückgreifen, die über die gesamte Bildfläche verteilt sind (100 Prozent Abdeckung). Die X-T30 bietet damit, wie die X-T3, das derzeit leistungsfähigste Autofokus-System aller Modelle der Fujifilm X Serie.

Die Verbesserung der AF-Leistung ist auch für Videographen interessant. So erkennt und verfolgt die X-T30 auch bei der Videoaufnahme einzelne Gesichter und passt im AF-C-Fokusmodus (kontinuierlicher Autofokus) die Scharfstellung und die Belichtung beständig an. Neben der Aufnahme in sehr hoher 6k-Auflösung, die in detailreichen Videos im 4K/30p-Format ausgegeben werden, nimmt die Kamera mithilfe des integrierten Mikrofons auch Ton in »High-Resolution-Audio« auf. Sehr anspruchsvolle Filmer können dank des HDMI-Anschlusses zudem professionelle Features wie F-Log und 10 Bit 4:2:2 nutzen.
Von dem neuen Bildprozessor profitieren auch Fans der Automatik-Modi. So erkennt die Kamera im »Erweiterten SR Automatik« -Modus eine von 58 Motivszenen und wählt zugunsten der bestmöglichen Bildqualität von selbst die passenden Einstellungen aus.

>> Ebenfalls seit März ist die neue Outdoor-Kamera Fujifilm FinePix XP140 erhältlich. Wodurch unterscheidet sie sich von den anderen Modellen der XP-Serie?
Die neue Fujifilm FinePix XP140 ist die Weiterentwicklung der beliebten XP130 und weist neben dem verbesserten Bildprozessor einige Neuerungen auf. So können Empfindlichkeiten von ISO 12.800 genutzt werden. Dies ermöglicht scharfe und rauscharme Bilder auch in lichtarmen Situationen. Die XP140 ist die erste Kamera der XP Serie, die 4K Videos aufnehmen kann. Sie bietet vielfältige Automatik-Funktionen, einschließlich einer intelligenten Motiverkennung, sowie eine neu gestaltete Benutzeroberfläche. All dies macht die handliche Kamera zum idealen Begleiter für alle, die am liebsten draußen aktiv sind und ihre Erlebnisse in brillanten Bildern festhalten wollen.

>> Die FujifilmSchool bietet auch 2019 wieder zahlreiche Workshops in verschiedenen deutschen Städten an. Können auch Händler daran teilnehmen?
Brawley: Die Workshops der FujifilmSchool zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur technische Feinheiten oder die Bedienung der Kameras im Vordergrund stehen: Vielmehr sollen die Teilnehmer sich kreativ mit unserem System auseinandersetzen und dabei einen Weg finden, das Zusammenspiel von Technik und kreativer Gestaltung unter sachkundiger Leitung von Experten aus der Fotografie-Szene in ihren eigenen Stil zu überführen. Besonders nützlich sind die Workshops auch für Interessenten am Fujifilm System, die bisher noch keine Erfahrungen mit der X Serie oder dem GFX System haben und gegebenenfalls über einen Systemwechsel zu Fujifilm nachdenken. Hiervon sind Händler natürlich nicht ausgeschlossen – vielmehr können diese bei der Teilnahme an einem Workshop direkt die Erfahrungen und Fragen der Kursteilnehmer aufnehmen, um hierauf bei ihrer täglichen Arbeit gezielt eingehen zu können und die Kaufinteressenten umfassend zu beraten. Sicherlich ist auch der persönliche Austausch mit den Kursleitern, die zu großen Teilen aus Fujifilm X-Photographern bestehen, spannend und ein echter Mehrwert für Händler.

>> Können Sie in etwa abschätzen, wie stark Fotofachhandel und Unterhaltungselektronikhandel am Absatz der Fujifilm-Kameras und -Objektive beteiligt sind?
Für Fujifilm war und ist eine enge Kooperation mit dem Fachhandel sehr wichtig. Ein Großteil des Umsatzes wird nach wie vor über den klassischen Fachhandel erzielt – eine starke und vertrauensvolle Partnerschaft zwischen unserem Außendienst und den einzelnen Händlern bildet hierfür die Basis. Wir pflegen bewusst eine sehr gute Beziehung zu Kunden und Händlern, um immer ein Ohr am Markt zu haben und strategisch auf Entwicklungen reagieren zu können. Auch das Feedback aus dem klassischen Fachhandel ist für uns eine Möglichkeit, auf Kundenwünsche reagieren zu können und essentiell, um sich langfristig und zukunftsorientiert in der Imaging-Branche positionieren zu können.

>> Neueste Smartphones mit einer Leica 4-fach Kamera und hohen ISO-Werten werden in Deutschland als »Fotowunder« vermarktet. Ein weiterer Angriff auf die klassischen Kameras?
In der Anfangszeit von Smartphones war es noch eine klare Sache – die verbauten Kameras eigneten sich meist für den Party-Schnappschuss zwischendurch, für viel mehr reichte es meist nicht. Heutzutage sind die Smartphone-Kameras ohne Zweifel besser geworden und eignen sich durchaus, um qualitativ solide Aufnahmen anzufertigen. Hier sind hohe Auflösungen keine Seltenheit und auch hinsichtlich des Funktionsumfangs machen die verbauten Kameras häufig einen respektablen Job. Allerdings sehen wir auch, dass es sich bei Smartphones um keine auf die Fotografie spezialisierten Geräte handelt, sondern vielmehr um Multifunktionsgeräte, bei denen die Kamera nur eine Funktion von vielen ist. Hierbei wird auf eine schlanke Bauweise Wert gelegt, was in Kombination mit der Multifunktionalität zu technischen Einschränkungen führt.
Neben den rein technischen und qualitativen Unterschieden ist aber auch das Gefühl einer „richtigen“ Kamera beim Fotografieren nicht durch ein Smartphone zu ersetzen. Bei Fujifilm Kameras ist hier insbesondere das beliebte Bedienkonzept, das auch die analogen Wahlräder mit einschließt, zu betonen. Vor allem für ambitionierte Hobbyfotografen, semiprofesionelle und professionelle Fotografen ist die klassische Kamera nicht wegzudenken.

>> Ihr Statement zur Verschiebung der Photokina auf Mai 2020?
Für Fujifilm war die Photokina 2018 ein voller Erfolg. In der Sparte der Digitalkameras konnten wir im vergangenen Messejahr zahlreiche Neuheiten, darunter die Fujifilm X-T3 als neues Flaggschiff der X Serie und die spiegellose Mittelformatkamera Fujifilm GFX 50R präsentieren, die auf der Messe großen Anklang fanden. Die Entscheidung von Photoindustrie-Verband und KölnMesse zur Verschiebung der Photokina ist gut und richtig. Die Zeit, um die Messe in der notwendigen Gründlichkeit vorbereiten zu können, wäre einfach zu knapp gewesen. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu und hätte bei der Neukonzeptionierung der Photokina durchaus von vornherein berücksichtigt werden können.

>> Herr Brawley, wir danken Ihnen für das Gespräch.

www.fujifilm.de

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