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Entwicklung des Rundfunks bis zu DAB+

100 Jahre Radio

altes Röhrenradio
altes Röhrenradio
(Bild: Pixabay)

Regelmäßige Informationen über das Zeitgeschehen waren bis zum Sendestart nur über Zeitungen erhältlich. Nach einem zögerlichen Beginn – die Benutzung von Hörfunk war genehmigungspflichtig – entwickelte sich das Radio schnell zum absoluten Renner. Zum Jahresende 1923 waren es immerhin 467 zahlende Hörer. Zum 1. Januar 1925 waren bereits 500.000 Hörer registriert und zum Jahresende 1925 wurde bereits die Millionengrenze überschritten. Einen Impuls lieferte auch der Vorläufer der IFA, die “Große Deutsche Funkausstellung”, die im Dezember 1924 erstmals auf dem Berliner Messegelände stattfand.

Schnell viele Rundfunkanstalten 

Parallel zur Hörerentwicklung vergrößerte sich auch die Zahl der Rundfunkanstalten sprunghaft: Bereits 1924 gestalteten Radiosender in Leipzig, München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Breslau, Königsberg und Münster eigene Programme. Als erster zentraler Sender des damaligen Deutschen Reiches entstand 1926 die Deutsche Welle. Ebenfalls 1926 gab sich der deutsche Rundfunk unter seiner Dachorganisation, der Reichs-Rundfunkgesellschaft (RRG), einen öffentlich-rechtlichen Charakter.

Propaganda aus dem Volksempfänger

Bereits ab 1932 griff die Politik in die Inhalte des ausgestrahlten Programms ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Rundfunk vollends zum Sprachrohr der Regierung.  Um die Massen erreichen zu können, startete zur Funkausstellung 1933 das Projekt Volksempfänger, ein relativ günstiges Radio im Einheitsdesign. 1934 waren fünf Millionen Hörer registriert. Das Radio-Publikum erhöhte sich bis 1943 auf 16 Millionen. Diese Hörerzahl wurde nach dem Krieg erst Ende der 1960er Jahre in der BRD wieder erreicht. 1945 eröffneten unter Aufsicht der Besatzungsmächte wieder die ersten Rundfunk-Stationen neu. 1948 gingen diese als Landesrundfunkanstalten des öffentlichen Rechts in der BRD in deutsche Obhut über. Die Funkhoheit blieb allerdings in Deutschland bis 1955 und für Berlin bis 1958 bei den Siegermächten.

Technische Verbesserungen

Ab 1949 wurde die Ultra-Kurzwelle (UKW) für die Rundfunk-Versorgung einbezogen. Dies bescherte dem Radio einen Qualitätssprung mit deutlich besserer Klangqualität. Die Übertragung mittels UKW verwendet die so genannte Frequenzmodulation (FM), die gegenüber der bis dahin ausschließlich verwendeten Amplituden-Modulation (AM) auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle die Radiosignale mit weniger Störungen und besserem Frequenzgang überträgt.

Im geteilten Deutschland verlief entsprechend auch die technische Entwicklung getrennt. So startete in der DDR der reguläre Rundfunk-Sendebetrieb am 15. September 1945. Im Jahr 1950 folgte dort die schrittweise Einführung des UKW-Rundfunks, die bis 1968 andauerte. Seit über 55 Jahren (ab August 1963) gibt es in der BRD stereophonen Hörfunk, in der ehemaligen DDR seit 1965. Die Stereophonie überträgt zwei nach links und rechts getrennte Tonsignale für eine bessere räumlich Ortung der Schallquellen. Die offizielle Einführung des Stereotons beim UKW-Radio erfolgte zur Funkausstellung 1963 in Berlin.

1972 gab es erste Versuche mit der Verkehrsfunk-Senderkennung, dem Vorläufer des heutigen TMC (Traffic Message Channel), mit dessen Hilfe Navigationsgeräte Autofahrern bei Staus alternative Routen empfehlen. 1973 feierte der Hörfunk bereits sein 50-jähriges Jubiläum und auf der IFA (Internationale Funkausstellung) gab es Vorführungen mit Kunstkopfstereophonie. 1979 wurden Pläne zur Neuordnung des Rundfunks in der BRD vorgestellt, die erstmals auch private Rundfunk-Betreiber vorsahen.

1980 begannen die Versuche zur Radioausstrahlung mit digitaler Codierung. 1982 erlebte der digitale Satelliten-Hörfunk seine Premiere. Die ersten privaten Radioprogramme waren 1984 Bestandteil der Kabel-Pilotprojekte. Seit 1988 kann der Zuhörer auch sehen, was er hört –  dank Radio-Daten-System RDS. Später kam der Radiotext hinzu. So bieten kurze Laufschriften auf dem Display des Empfängers zusätzliche Informationen für die Hörer.

Einführung von Digitalradio

Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es neben den analogen Ausstrahlungen auch digitales Radio – terrestrisch, über Satellit und im Kabel. In den letzten Jahren wurden auch die Radioverbreitung über das Internet und Streaming-Dienste mit mehreren hundert Millionen Abrufen pro Monat immer beliebter. Ein wachsendes Angebot Internet-tauglicher Empfänger bringt tausende von Radiostationen aus aller Welt zu Gehör.

Am 1. August 2011 gingen erstmals deutschlandweit Programme nach dem Digitalstandard DAB+ auf Sendung. Das Übertragungsverfahren DAB+ arbeitet mit einer modernen, effizienteren Ton-Kodierung, um Übertragungskosten zu verringern und bei gleicher Klangqualität mehr Spielraum für eine noch deutlich größere digitale Programmvielfalt zu bieten. Die Vorteile von DAB+ sind: Stabiler Empfang des Senders im bundesweiten Sendegebiet ohne Rauschen und Knistern, eine Klangqualität, die sich mit der CD messen kann, und vor allem ein digitaler Dienst zur Verkehrslenkung, der weit über die Möglichkeiten des über UKW verbreiteten Verkehrsdatendienstes hinausgeht.

Aktuelle Zahlen

Nach Angaben der gfu hören knapp 76 Prozent (53,5 Millionen Personen) täglich Radio und im Durchschnitt über vier Stunden (249 Minuten) pro Tag – Radio erfreut sich demnach immer noch großer Beliebtheit. Im letzten Jahr wurden in Deutschland laut Hemix rund 45 Millionen Geräte zum Radiohören verkauft.

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