Eine B2B-Fachmessse lässt sich kontrolliert durchführen

Global Fairs TT-Messe
Foto: Global Fairs TT-Messe

Gastkommentar von Jan Nintemann, Messe-Experte der Tech-Branchen, zum Thema Messen in Corona-Zeiten nach dem Lockdown.

Was den Erfolg einer B2B-Fachmessse ausmacht

Jan Nintemann
Jan Nintemann, Foto: TT-Messe

Eine gute B2B-Fachmesse ist ein hochkonzentrierter Branchen-Marktplatz, auf dem Anbieter etablierten und neuen Wiederverkäufern ihre Produkte und Lösungen sowie Vermarktungsstrategien für die weitere Zukunft besprechen. Historisches Credo der Leitmessen: Alle Marktteilnehmer der Branche treffen sich zwecks Informationsaustausch und Networking. Konkrete Beziehungs- und Kauf-Entscheidungen für den kurz- bis mittelfristig nachfolgenden Zeitraum werden bereits auf der Messe getroffen – oder werden zumindest persönlich emotional vorentschieden. Alle Marktteilnehmer zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das macht dann den „Wumms“, der von den Herbstmessen bis in den Beginn des kommenden Jahres hinein wirkt.

Durch vertrauliche Gespräche das „Ohr am Markt“ zu haben ist die wichtigste Ausbeute einer guten Fachmesse – besonders wichtig in Zeiten großer Veränderungen, in denen wir heute zweifelsohne leben. Genau dieser gerade beschriebene Mechanismus beschleunigt den Wieder-Aufschwung nach dem Corona-Lockdown – begünstigt noch durch die aktuellen positiven Prognosen von Wirtschaftsexperten, wonach im zweiten Halbjahr das Wachstum wieder um 5 bis 7 Prozent ansteigen wird.

Produkte auf einer Messe „sinnlich erleben“

Global Fairs Logo
Foto: Global Fairs

Virtuelle Messekonzepte, inzwischen technisch auch brauchbar, gibt es seit über einem Jahrzehnt – durchgesetzt haben sie sich aber nicht wirklich. Selbst in der messelosen Corona-Krisenzeit wirken sie wie alternative Notlösungen, die uns den Mangel realer persönlicher Gespräche nur noch mehr vor Augen führen. Digitalmessen können allenfalls eine sinnvolle Ergänzung sein (professionelles E-Learning beispielsweise macht ja Sinn) – ersetzen kann sie die physikalischen Messen mitnichten – genauso wie der digitale Schulunterricht nicht den wirklichen Unterricht ersetzen kann, wie ich allzu deutlich am täglichen Stöhnen meiner Kinder wahrnehmen kann.

Zu sehr erinnert mich der digitale Messebesuch an eine meine Bewegungsfreiheit einschränkende Führung durch einen digitalen Verkaufssalon – während ich doch ohne jegliche Zeit-, Orts- und Inhaltsvorgabe im Internet sowieso alles recherchieren und finden kann, was ich möchte. Denn darum geht es bei einer physikalischen Messe ja auch gar in erster Linie: auf der realen Messe kann ich Produkte sinnlich erleben – dies beeinflusst meine Entscheidung deutlich stärker als das bloße Aufnehmen von Informationen mittels bewegter Bilder bzw. Video-Gesprächen.

Persönliche und Vertrauliche Gespräche

Das allerwichtigste aber sind in einer Gesellschaft mit einer wettbewerbsorientierten Wirtschaftsweise persönliche und vertrauliche Gespräche. Nur diese geben Geschäftsleuten unverzichtbare Orientierungen und belastbare Entscheidungshilfen in die Hand, die sie für ihre Business-Planung benötigen. Und zweifelsohne kann man nirgends effektiver (also kostengünstiger) in so kurzer Zeit an einem einzigen Ort so viele persönliche Gespräche führen wie auf einer Branchen-Leitmesse, beispielsweise die IFA.

Die andere Frage, die ebenfalls die Verlagerung des Handels ins Internet betrifft, lautet: Wollen wir wirklich unsere Städte veröden lassen (siehe Kaufhof-Desaster) und auf eine Gesellschaft zusteuern, in der am Ende die Menschen nur noch einsam am PC oder Handy sitzen und einsam online einkaufen, einsam im Home Office arbeiten und einsam am PC sich informieren und amüsieren und wir am Ende alle an dem Datensaugnapf großer Internetkonzerne hängen, während draußen in den Dörfern und Städten das öffentliche Leben auf dem Marktplätzen immer mehr zum Erliegen kommt – wie man gerade in der Corona-Zeit mit seinen Einschränkungen sehen konnte?

Corona-gerechte Messe

Riesige Hallen mit viel Luftvolumen, viel Platz bei weniger Ausstellern, klare Abstands- und Hygiene-Regularien, Nachverfolgungsmöglichkeiten der Ticket-Registrierten: Was spricht spätestens ab September gegen eine Fachmesse mit diszipliniertem B2B-Fachpublikum? Im Grunde ist eine derart gestaltete Corona-gerechte Messe doch woanders schon längst Alltag – füllen die Ladengeschäfte in den deutschen Einkaufszentren sich doch längst schon wieder  mit Konsumenten, die Versäumtes nachholen wollen, wobei Mundschutz und Abstandsregelungen längst alltagstauglich akzeptiert sind. Darum beneidet uns (fast) die ganze Welt. Wir können das Virus unter Kontrolle halten – das haben uns nicht nur die jüngsten Hotspots in der Fleischindustrie gerade wieder bewiesen.

Hotspot identifizieren und isolieren – sofort stehen die Chancen dann auch gut, der weiteren Verbreitung des Virus entgegenzuwirken und größeren Schaden abzuwenden. Dank der unentwegten Mahnungen aus Wissenschaft und Politik sowie der Dauervermittlung der komplexen Wirkungsweisen unseres Corona-relevanten Verhaltens in vielen seriösen Medien (inklusive TV-Talkshows) hat Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern einen geradezu vorbildlichen Weg zur Bewältigung der Pandemie-Krise gefunden. Die meisten Menschen hierzulande sind gut und „richtig“ informiert. Hier liegt meines Erachtens der Hauptgrund für die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie in Deutschland: Die deutliche Mehrheit kann sagen „wir haben verstanden“.

Abstandsregeln und Hygiene-Vorschriften

Global Fairs und SmartHome Initiative
Foto: Global Fairs und SmartHome Initiative

Sollen wir noch weitere zwei Jahre die Wirtschaft ausbremsen und der Gesellschaft das Leben derart erschweren, dass die wirtschaftlichen Folgeschäden irreparabel werden? Nur weil wir in bestimmten Situationen in der Öffentlichkeit keine Schutzmasken tragen wollen? Eindeutig nein: Es wäre unverantwortlich. Wir sollten einen anderen Weg gehen, als es derzeit ein Staatenlenker aus Amerika vormacht: Wir sollten die Corona-Pandemie nicht ignorieren, um sie zu füttern, sondern mit Covid-19 leben lernen, um des Virus einzudämmen. Das können wir – wir tun das nämlich schon seit ein paar Monaten. Per 6. Juli  gibt es in „Old Germany“ nur noch 6.770 Infizierte. Bei 83 Millionen Einwohnern macht das ganze 0,000081566 Prozent der Bevölkerung aus. Das sollte beherrschbar sein.

Aber nicht vergessen: Das Virus startet immer mit einer kleinen Infektionszahl, auf dessen Basis es sich dann verbreitet. Und wir müssen aufpassen, dass es nicht aus höher infizierten Ländern eingeschleust wird. Denn wir leben und handeln überwiegend nicht mehr national, sondern global – das ist vielen nicht bewusst. Doch da gibt es inzwischen ausreichende Vorkehrungen, gerade bei den internationalen Leitmessen. Ein anderer ziemlich bekannter Mann aus den USA hat es erkannt: „Es gibt eigentlich nur drei Dinge, die wir tun können: [wo nötig] eine Maske tragen, Social Distancing betreiben und Händewaschen. Es ist doch alles ,so simpel, so einfach`. Wenn jemand es nicht schafft, sich an diese drei Grundsätze zu halten, soll er sich schämen“, sagte kein geringerer als der Schauspieler Tom Hanks, der selbst am Virus erkrankt war und daher weiß, wovon er spricht.

2021 brummt die hiesige Wirtschaft wieder: 5 bis 7 Prozent Wachstum gegenüber dem ersten Halbjahr winken. Messen sind wieder angesagt und ein Muss in jeder Branche – finden doch 60 Prozent aller Weltleitmessen in Deutschland statt. Doch was, wenn dann in den Messehallen nur noch die Hälfte der Flächen bebaut werden kann, weil zwischenzeitlich über die Hälfte der die Messeveranstaltungen begleitenden Dienstleister (allen voran die Messebauer, aber auch Caterer und Agenturen) gar nicht mehr existieren? Wollen wir durch Messe-Abstinenz unsere ganze Messe-Infrastruktur gefährden?

Ausgeschlossen ist dieses Szenario keineswegs: Mindestens die Hälfte der Dienstleister der Messebau-Branche sind akut in ihrer Existenz bedroht, so die Fachverbände und Wirtschaftsexperten (was Wunder, kommt der Zustand doch einem Berufsverbot gleich). Das komplexe Zusammenspiel der Messewirtschaft und das ganze Netzwerk drum herum insgesamt zu verstehen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, ist das Gebot der Stunde. Der Verband der Messebauer und Event-Agenturen FAMAB, vertreten durch seinen Geschäftsführer Jan Kalbfleisch, hat hier bereits einen großartigen Beitrag im Kampf um das Überleben seiner Verbandsmitglieder geleistet. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft (und auch die Auftraggeber, die Aussteller!) die Signale des FAMAB-Verbandes nicht überhören. Sonst gehört der Status Deutschlands als weltweite Nr. 1 des Messemarktes (auch das hat einiges zur „Export-Weltmeisterschaft“ Deutschlands beigetragen) vielleicht bald der Vergangenheit an.

Reseller Park in Halle 2.1 auf der IFA Special Edition

Reseller Park Logo
Foto: Global Fairs TT-Messe

Erfreulich und lobenswert ist daher die Initiative der Messe Berlin und der Trägerin gfu, dieses Jahr eine Corona-gerechte IFA Special Edition abzuhalten. Auf dieser zwar verkleinerten, dennoch hochkarätigen, reinen B2B-Veranstaltung darf der Reseller Park – immer schon auf B2B spezialisiert – nicht fehlen. Eine Top-Platzierung in Halle 2.1, direkt am Haupteingang Süd des Berliner Messegeländes, ist dieses Jahr die Heimat des B2B-Marktplatzes Reseller Park, der auch die Smart-Home-Thematik integriert. Workshop- und Konferenz-Programm direkt nebenan in gleicher Halle ist in Vorbereitung – hier geht es um Smart Home, Smart Building, Smart City, KI & E-Mobility, Digitalisierung und Nachhaltigkeit (New Green Deal). Easy To Take: schlüsselfertige und Corona-gerechte Stände inklusive Full-Service. Dazu im Vorfeld der IFA ein bestens beworbener B2B-Marktplatz – geeignet auch für Last-Minute-Entscheider, über diesen aufwandsarmen Weg doch noch an der IFA im Corona-Jahr 2020 teilzunehmen.

Was kommt nach Corona?

Die Corona-Pandemie hat uns weltweit die Schwachstellen und Wunden der Gesellschaften deutlicher als je zuvor vor Augen geführt und allerorts die erstaunliche Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft unter Beweis gestellt. 2019 war das Jahr des erwachenden Bewusstseins der unglaublichen Klimakrise, 2020 wird als das Corona-Jahr in die Geschichtsbücher gehen. Laut einer repräsentativen Umfrage von vergangener Woche ist aber bereits heute zu Beginn des zweiten Halbjahres 2020 hierzulande schon wieder die Klimakrise das Top-Thema Nr.1 für 50 Prozent der Befragten. Das zumindest wollen die Bundesbürger der jetzigen EU-Ratspräsidentin Dr. Angela Merkel als vorrangige Aufgabenstellung für ihre Agenda auf dem Weg nach Brüssel mitgeben; die Corona-Krise wurde da nur noch von einem Drittel als das wichtigste Handlungsfeld genannt. Und das will uns in puncto Klimakrise sagen: „Wir haben verstanden, packen wir‘s endlich an!“

Gebäude sind derzeit für mehr CO2-Ausstoß verantwortlich als der ganze emotional viel-diskutierte Mobilitätssektor. die geforderte Klima-Neutralstellung von Gebäuden und Smart Living sind wichtige Handlungsfelder gerade auch in den Tech-Branchen, denn die benötigte Energieeffizienz lässt sich ohne die Digitalisierung – sprich smarter Steuerung – gar nicht realisieren. Das aber sind auch wichtige Themenfelder auf der IFA in Berlin, der Security in Essen, der BAU in München oder im März 2021 auf der ISH in Frankfurt – um nur einige bevorstehende Messen zu nennen, auf denen Global Fairs seine „SmartHome – Center of SmartBuilding“-Projekte interessierten Ausstellern der Sektoren anbietet.

Ich freue mich auf die IFA Berlin!

Aussteller- und Konferenz-Interessenten melden sich bitte bei Jan Nintemann, Global Fairs TT-Messe, Osnabrück: nintemann@tt-messe.de oder +49 541 97126-0

zur Startseite >